+++   21.09.2019 10. Pflanzentauschbörse in Wabel  +++     
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1. Kapitel

Hallo, ich bin Ruby – ein Wald- Chihuahua.
Ähm..., wirst du jetzt sagen, was ist denn ein Wald – Chihuahua ? Warte es ab- ich werde dir alles erzählen.


Hier auf dem Alten Forsthof geschieht eine Menge. Es ist immer was los, es gibt viel Neues zu entdecken und Vieles wartet nur darauf erzählt zu werden. Du wirst immer wieder spannende, lustige aber zuweilen auch nachdenkliche oder traurige Geschichten erfahren und ich bin schon so aufgeregt und möchte natürlich sofort loslegen.

 

Oh entschuldige, da geht mein kleines Chiherzchen wieder mit mir durch. Speedy Gonzales, die schnellste Maus aus Mexiko, sagt dann mein Frauchen und nimmt mich lachend in den Arm. Ich zapple und belle ganz laut, einfach nur  w e i l   e s   s o o o...   s c h ö n   i s t.

 

Also ich bin ein Chihuahuamädchen, noch ganz fit und wie schon erwähnt ein Wald - Chihuahua. Mein erstes Spielzeug waren Tannenzapfen und bis heute liebe ich es im Wald zu leben. Du solltest wissen, ein Chihuahua ist lebendig, hingebungsvoll, konzentriert, aufgeweckt, mutig und tapfer. Ich bin nicht bloss ein Schoßhund. Ich passe sehr gut auf, deshalb sind meine Ohren gross, spitz und ständig in Aktion. Sichte ich etwas, belle ich laut und durchdringend. Ich will nicht - und gehe auch in keine Handtasche. Ich habe vier gesunde Pfötchen und kann ganz gut laufen. Einen Mantel brauche ich ebenfalls nicht, mein Fell ist dicht und lang.


Wer einen gesunden Chihuahua in seinem Rudel hat, ich liebe es im Rudel zu leben, der kennt keine Langeweile oder Einsamkeit. Ein Chihuahua ist treu, knuffig und äußerst anhänglich.

 

Frauchen sagt, ich bin ein Goldschatz mit unermesslichem Reichtum an Treue und Zuneigung.

 

Hebt mich hoch und wir beide knuddeln um die Wette. Frauchen mag mich sehr und ich bin immer für sie da.

 

Frauchen füttert mich gut , zu gut sagt Herrchen, und schaut skeptisch auf mein kleines Bäuchlein. Ich finde mich schön - so wie ich bin - . Frauchen meint, dass wir hier im Wald ruhig ein paar Grämmchen mehr auf den Rippen vertragen und es hier auch benötigen. Unser Revier heißt sprichwörtlich Eiskeller und das stimmt wirklich. Wenn es kalt und ungemütlich wird, ist es hier immer noch ein wenig kälter und ungemütlicher. Ich hoffe, du liest gerade kuschelig eingemummelt meine Geschichte oder vielleicht hast du sogar das Glück vorgelesen zu bekommen. Auf jeden Fall solltest du es dir so gemütlich wie nur möglich machen um meinen Geschichten zu lauschen.

 

Ich wurde vor einiger Zeit in einer großen Stadt geboren. Meine Mama und mein Papa lebten dennoch auf einem Bauernhof. Um diesen Bauernhof gab es kein Land mehr, sondern viele Strassen und Häuser.


Ich war eines von vier Chihuahuawelpen. Drei Schwestern und ein Bruder.


Als die Zeit gekommen war, (ich fand das aber noch nicht,) musste ich Abschied nehmen.

 

Frauchen kam uns besuchen und wollte uns anschauen. Ich war die frechste, habe gleich mein Häufchen in die Stube gemacht, meine Geschwister geärgert und mich auf gar keinen Fall anfassen lassen.


Frauchen sah mich an, als ich so durch das Zimmer flitzte und meinte zu Herrchen – diese ist es , diese wird Necki gefallen.

 

Wer ist Necki?

Necki ist die erwachsene Tochter von Frauchen, sie wohnt nicht mehr Zuhause sondern in einer noch viel größeren Stadt. Dort ist sie manchmal sehr einsam und weil ich so klein war (und bleibe) wollte sie mich als Gesellschaft um sich haben. Einen Chihuahua durfte sie sogar mit in die Uni und ins Büro nehmen.

 

Zurück zu meiner ersten Begegnung mit Frauchen. Ich ließ mich nicht einfangen oder gar anfassen, aber Frauchen wollte unbedingt mich. Ich glaube, sie ahnte damals schon, dass ich einmal doch ihr kleiner Liebling sein werde. Herrchen ist auf jeden Fall felsenfest davon überzeugt.


Gesagt, getan, es wurde verhandelt die notwendigen Papiere eingesehen und am nächsten Tag wurde ich von Frauchen und Herrchen abgeholt. Ich war so klein wie ein Kastanienblatt, Frauchen hat mich vorsichtig in ein weiches Tuch eingehüllt und behutsam auf den Schoß genommen. Die Autofahrt machte mir erst Angst, aber dann bin ich wohl schnell eingeschlafen und habe gar nicht bemerkt, wann die Reise zu Ende war. Als ich wieder erwachte, war ich in einem anderen Haus mit anderen Gerüchen und Geräuschen. Dort lebte schon ein Hund, Alia.

 

Sie schnüffelte mich ab und sagte so hallo.


Frauchen zeigte mir ein Schlafplätzchen. Ich schlief wieder ein, auch weil ich nichts verstanden habe und sehr traurig über die Trennung von meiner Hundefamilie war.

 

Dann kam Necki. Sie freute sich riesig auf mich, nahm mich in den Arm, liebkoste und drückte mich überglücklich. Sie wollte sich nicht lange bei ihrer Mutter aufhalten und wieder ging die Reise weiter in die große Stadt Hamburg. Necki hatte eine wunderschöne Tasche für mich besorgt, darin konnte ich muckelig schlafen und zur Not auch ein Bächlein riskieren.

 

Ich schlief wieder die ganze Zeit, und es ist auch noch heute so, wenn ich Autofahre, schlafe ich nach kurzer Zeit blitzschnell ein. Ich kann versuchen was ich will, fährt das Auto, fallen mir die Äuglein zu und ich schlafe wie ein Stein. Erst wenn das Auto länger hält, werde ich wach und schaue mich um, wohin dieses Mal die Reise führte.

 

Meine erste Zeit in Hamburg verbrachte ich viel mit Necki. Sie erzog mich, nahm mich überall mit hin und ich fand mich glücklich.


Als Necki beruflich eine Weile ohne mich sein musste, erzählte sie mir, dass ich nun für eine Zeitlang in eine Ferienpension sollte. Ich verstand nur Bahnhof und die Reise ging los. Wie du es dir denken kannst, verschlief ich die komplette Fahrt und wachte erst bei der Ankunft auf.

 

Mein Herzchen pochte wie wild, wo war ich – aber halt das kenne ich doch. Die Tür ging auf und ich sah Frauchen. Mein Frauchen, ich weinte wie ein Wasserfall und kuschelte mich in ihre Arme. Frauchen vergoss auch ein paar Tränchen und war so glücklich mich wieder zu sehen.

 

Herrchen war auch bald zugegen und sagte ernsthaft, dass ich so groß geworden bin und er mich mit einem Bernhardiner verwechseln könne. Ich schaute ihn fragend an, seine Augen blitzten vor Schelm. Frauchen strich ihm über die Wange und sagte entrüstet, er solle mich nicht so foppen. Frauchen, Frauchen, ich war so glücklich – wieder daheim.

 

Frauchen verwöhnte mich, ich bekam so leckere Sachen gekocht, dass Herrchen schon eifersüchtig auf Gleichbehandlung pochte. Ich durfte alles, was ein Hund sich wünscht. Gutes Essen, herrliche Hundegesellschaft, viel frische Luft, schnüffeln, toben und bellen.


Ich belle für mein Leben gern. Ein Chi ohne Bellen ist wie ein Tag ohne Herrchen, meint Frauchen und schaut mich mit freundlichen Augen an. Sie fragt mich nach meinem Befinden und ich belle laut GUUUT.

 

Wenn Frauchen lacht zeigt sie die Zähne, knurrt aber nicht. Diese Geste muss ein Hund lernen wenn er mit Menschen lebt. Ich habe mich erst sehr gefürchtet, weil ich ja nicht immer alles verstehe, was die Menschen so von einem wollen, also musste ich lernen, mich dem Menschen begreiflich zu machen.  Alles sehr schwierig.

 

Ich denke, dass ist so, wie die kleinen Menschenwelpen in die Schule gehen, um dort zu lernen, was die großen Menschen von ihnen möchten. Ich kann da nur einen Hundekumpel fragen und wenn der es auch nicht weiß – dann habe ich ein großes Problem.

 

Von daher belle ich laut und herzlich und knurre manchmal dabei einfach aus Übermut.

 

Aber auch die schönste Zeit geht zu Ende und ich musste wieder nach Hamburg.

 

Ich war so unglücklich und weinte mich jeden Nacht in meinem Körbchen in den Schlaf. Was macht Frauchen? Wer passt nun auf sie auf ? Geht es allen gut? Wie lange hält meine Duftspur, ohne das sie mich vergessen? Sorgen über Sorgen und meine Not wurde noch größer, als im Büro ein anderer Hund dazu kam.

 

Toby, ich hasse Toby. Toby ist eine dicke französische Bulldogge und einfach dämlich. Frag man ihn ´was, kann er vor lauter Übergewicht nur schnaufen.


Ich spiele nicht gern mit ihm, er ist so ruppig und grob. Im Büro frisst er einfach alles, auch Papier. Die Tage mit ihm sind unerträglich lang. Ich wünschte er wäre wieder fort, aber alle sagen oh wie süß, wenn er mal wieder unappetitlich rülpst. Seine Pupserei ist widerlich, kommt er mir zu nahe, knurre und beiße ich nach ihm.


Ich mag ihn nicht und nach wenigen Tagen haben wir uns so in der Wolle, das wir nur noch getrennt werden konnten.


Der Chef von Necki meinte mit großem Bedauern, einer der Streithähne, entweder Toby oder ich, müsste das Büro verlassen und dürfte nicht mehr wiederkommen.


Die Entscheidung fiel leider auf mich, auch weil ich manchmal (viel) belle.

 

Von nun an sollte ich Zuhause bleiben und warten. Warten auf ein paar Minuten Zeit zwischen Hektik und Stress.


Ich wurde immer trauriger, weinte laut in der Wohnung. Dann pochten Menschen ärgerlich an die Wohnungstür und ich bellte und weinte noch verzweifelter.


Wenn Necki nach Hause geeilt kam, stritt sie sich auf dem Flur mit den Menschen, welche vorher an der Türe geklopft hatten. Ich bellte ungestüm, ---lass mich raus---, rief ich ihr zu, ich helfe dir diese Bösewichte zu verjagen. Aber statt dessen kam sie wütend herein gestürmt und schrie mich an, ich solle endlich still sein.


Das verstand ich nicht,   was war denn jetzt los ?  Ich verteidige den ganzen Tag die Türe und dann werde ich nur ausgeschimpft. Vor lauter Ratlosigkeit machte ich ein Bächlein auf den Teppich. So wurde es immer schlimmer.

 

Eines Tages, als ich nur noch zitternd in meinem Körbchen lag, nahm Necki mich auf den Arm, schaute mir in die Augen und sagte mit traurigem Blick, dass es nun Zeit ist sich zu trennen.

 

Wie, - was, - wohin sollte ich denn jetzt ? Nein, ich bin lieb und mach auch nicht mehr in die Wohnung, bitte gib mich nicht weg – ich habe Angst.

 

Wir fuhren eine Weile und dann merkte ich auf einmal, dass dieser Weg mir bekannt vorkam. Dennoch schlief ich ein.

 

Ich träumte, ich bin bei Frauchen und ich seufzte tief. Sogar den Geruch konnte ich erträumen, oder  - was war das, nein kein Traum, der Duft ist Wirklichkeit. ICH KOMME nach Hause, nach Hause, nach Hause – endlich.

 

Als sich die Autotür öffnet, stürze ich in Frauchens Arme. Wir beide weinen und können nicht mehr aufhören. Erst als alle Tränen ausgeflossen sind, schauen wir uns an und lachen. Ruby, meine Ruby ist das Einzige was Frauchen sagen kann.

 

Ich weiche nicht mehr von ihrer Seite und auch Picky, der alte Mops-Opi ist von mir entzückt.
Ich mag hübsche Mädels, meinte er augenzwinkernd zu mir.


Von weitem höre ich noch eine piepsige Stimme. Das ist Barry, sagt Frauchen und streichelt einen großen, dicken Fellkopf; er ist nun dein kleiner Bruder. Klein, hat sie klein gesagt. Der ist doch riesig, mindestens 10 X so groß wie ich.


Frauchen hält mich direkt an seine Nase. Lernt euch kennen, meint Frauchen ruhig, und eine feuchte große Nase schnuppert mich ab.


Ich bin Barry, kommt es quietschend aus diesem riesigen Ungetüm. Ich bin noch ein Welpe.

 

Häh ? - Welpe, wie groß will der denn noch werden ? Ich sage schüchtern hallo und verkrieche mich in Frauchens Arm.


Ich bin so glücklich, dass ich es beinahe übersehe, wie traurig nun Necki ist. Sie nimmt mich noch einmal hoch, schaut mir tief in die Augen und sagt   L e b e   w o h l .


Nun bin ich auch traurig und weine als sie fährt.

 

Frauchen kommt mich trösten und auch meine beiden neuen Brüder versuchen alles um mich aufzumuntern.

 

 

 

Picky zeigt mir leckere frische Pferdeäpfel und Barry erschlägt mich fast mit seinem Kuscheltier.
So, nun ist Schluss sagt Frauchen streng, und scheucht die beiden von mir weg. Ruby ist völlig überfordert und müde, sagt sie.

 

Von dem Tag an wird alles gut.